Behinderungsarten
Was heißt hier "behindert"?
Ich bin in erster Linie Mensch und erst viel später behindert. Menschen mit Behinderungen werden diesem Sprichwort vermutlich zustimmen.
In der Alltagssprache wird mit dem Wort "behindert" aber oft sehr leichtfertig umgegangen und man spricht in der Öffentlichkeit häufig von den Behinderten. Diese Form der Verallgemeinerung wird von Menschen mit Behinderungen als diskriminierend empfunden. Einerseits gibt es eine große Anzahl an unterschiedlichen Behinderungen, die man nicht in einen Topf werfen kann. Andererseits wollen Menschen nicht nur über die Behinderung definiert werden.
Viele nichtbehinderte Menschen können oft auch mit der Situation, wenn sie mit einer für sie „schrecklichen Behinderung konfrontiert werden, nicht umgehen und reagieren hilflos, empfinden Mitleid oder schauen peinlich berührt zur Seite. Dieses Verhalten spiegelt sich auch im Sprachgebrauch wider. Oft werden Redewendungen verwendet wie: „an einer Behinderung leiden“, „hilfsbedürftig sein“ oder „an den Rollstuhl gefesselt zu sein“.
Eine Sensibilisierung, auch im alltäglichen Sprachgebrauch, ist daher ein wichtiges Ziel.
In den letzten Jahren hat sich ein Paradigmenwechsel vollzogen, in dem Behinderung als Interaktion mit der Umwelt definiert wird. So spricht man nicht mehr davon, dass jemand behindert ist, sondern, dass er/sie durch die Umwelt behindert wird. Eine Behinderung wird sicher immer auch durch individuelle Eigenschaften definiert sein, aber für Betroffene entsteht eine Behinderung vor allem durch Reaktionen der Umwelt, in Form von Barrieren bei Gebäuden, Infrastruktur, Vorschriften oder durch Vorurteile von Mitmenschen.
Solche Barrieren werden bei der Lebensraumgestaltung spürbar. Etwa durch Stufen vor Restaurants und Lokalen für Gäste, die einen Rollstuhl benutzen, Stufen in öffentlichen Verkehrsmitteln, fehlende GebärdensprachdolmetscherInnen als Unterstützung für gehörlose Menschen, Ampeln ohne akustische Signale für blinde Menschen.
Sehr schwer zu beseitigende Barrieren befinden sich in den Köpfen der Menschen, genannt Vorurteile. Mit Menschen mit Behinderungen werden häufig Defizite oder Schwächen verbunden. Es steht oft die Frage im Raum: „Was kann die behinderte Person alles nicht?“ Es sollten aber vielmehr die Stärken und Fähigkeiten im Vordergrund stehen und die Frage sollte lauten: „Welche besonderen Fähigkeiten hat diese Person mit Behinderung?“
Links:
- Folder der WKO über den Sprachgebrauch zum Thema Behinderung An den Rollstuhl gefesselt?, PDF
- Link zum Thema nicht-diskriminierender Sprachgebrauch auf der Homepage des ÖAR.
- Folder Sprechen und Schreiben über Behinderung, PDF von der Grazer Beratungsstelle "Bunte Rampe".
