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Geschlechtsspezifische Benachteiligung

Übersetzung in Österreichische Gebärdensprache

Einerseits ist es bereits für Menschen mit Behinderungen schwierig, sich am Arbeitsmarkt zu behaupten, andererseits stehen Frauen mit Behinderungen zusätzlich vor der Herausforderung, noch in verstärktem Maße mit geschlechterspezifischen, gesellschaftlichen und sozialen Benachteiligungen konfrontiert zu sein.

Die speziellen Bedürfnisse von Frauen mit Behinderungen finden auch nur schwer Gehör, da die Gruppe der Menschen mit Behinderungen oft als eine geschlechtshomogene Gruppe wahrgenommen wird.

Ursachen der Benachteiligungen lassen sich aus der Studie „Zur Lebenssituation arbeitsmarktferner Frauen mit Behinderung“ zusammenfassen. Nachfolgend wird ein Ausschnitt zentraler Ergebnisse dieser Untersuchung des Institutes für ganzheitliche Sozialforschung & ihre Anwendung (Sofia) dargestellt:

  • Frauen mit Behinderung haben häufig kein Einkommen oder eines unter 700 Euro, und sind vermutlich armutsgefährdet oder finanziell stark von ihrem Partner abhängig.
  • Jede zweite der befragten Frauen hat Gewalterfahrungen gemacht, besonders häufig durch ihren (Ex-)Lebenspartner - die finanzielle Abhängigkeit ist also vermutlich für viele von ihnen ein existentielles Problem.
  • Frauen haben mehr gesundheitliche Beschwerden als Männer. Der Gesundheitszustand von Alleinerzieherinnen mit Kindern unter 10 Jahren ist dabei offenbar besonders kritisch.
  • Jede vierte Frau ist Alleinerzieherin, viele von ihnen leben in Armut.
  • Die befragten Frauen bekommen noch seltener als die Männer Pflegegeld.
  • Jede zweite von ihnen hat eine Berufsausbildung, die nicht ihrem Berufswunsch entspricht.
  • Ihre Chance auf einen Arbeitsplatz schätzen sie sehr schlecht ein.
  • Frauen fühlen sich noch etwas schlechter informiert als die Männer, besonders über Schulungsmaßnahmen, Förderungen und Hilfsmittel.

Der schlechte soziale Status vieler Frauen mit Behinderungen scheint eine schicksalhafte Zwangsläufigkeit von Krankheit, Arbeitslosigkeit und Armut zu suggerieren und scheint nur sozialpolitisch auflösbar zu sein, so die Studienautoren (vgl. Sofia, 2006: 22-24).

Download

Studie zur Lebenssituation arbeitsmarktferner Frauen mit Behinderung in Wien (2006), PDF

Für Frauen mit Behinderungen verstärken sich frauen- und männerspezifische Rollen und Normen auf Grund der Behinderung noch mehr. So werden Mädchen mit Behinderungen häufig „überbehütet“ und weniger als Burschen mit Behinderungen zu Integration und Selbständigkeit erzogen.

Auf Grund der geringen Förderungen und Erziehung zur Selbständigkeit orientieren sich Mädchen mit Behinderungen seltener am Arbeitsmarkt und wenn, dann eher auf traditionelle, „weibliche“ Berufe, die von vornherein oft Benachteiligungen aufweisen. Das hat zur Folge, dass Frauen mit Behinderungen noch stärker als Frauen ohne Behinderungen einem erhöhten Armutsrisiko ausgesetzt sind.