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Lebenshilfe: Realer Lohn statt Taschengeld für Menschen mit Beeinträchtigungen

21.12.2011



Österreich (Lebenshilfe, Red.) - Auf der diesjährigen Tagung der Lebenshilfe in Salzburg "Wege zur inklusiven Arbeit" wurde die Forderung nach gerechter Entlohnung für Menschen in Tagesstrukturen (früher Beschäftigungstherapie) bekräftigt. Die überwiegende Mehrheit der rund 50.000 ÖsterreicherInnen mit intellektuellen Beeinträchtigungen arbeitet in Tages- und Beschäftigungsstrukturen der Behindertenorganisationen, allerdings ohne Ansprüche auf Gehalt oder Alterspension. ExpertInnen und Betroffene diskutierten Chancen und zukünftige Herausforderungen eines inklusiven Arbeitsmarktes.

„Menschen mit Beeinträchtigungen sollen auch für ihre Arbeit in Behinderteneinrichtungen eine eigene Sozialversicherung und Arbeitslosenversicherung beziehen, pensionsversichert sein und einen realen Lohn statt Taschengeld bekommen“, bringt Germain Weber Präsident der Lebenshilfe Österreich die Forderungen der Lebenshilfe auf den Punkt.

Der interimistische Behindertenanwalt Dr. Hansjörg Hofer verwies einerseits auf die im Sozialministerium eingerichteten Arbeitsgruppen und andererseits auf eine in Auftrag gegebene Studie zur Frage „Wie Menschen aus Tagesstrukturen ( Beschäftigungstherapie) in den regulären Arbeitsmarkt integriert werden können“.

Der Sozialwissenschaftler Oliver König zeigte Wege zur inklusiven Arbeit auf. König verweist auf zahlreiche Studien, welche aus volkswirtschaftlicher Sicht die Integration behinderter ArbeitnehmerInnen in sozialversicherungsrechtliche Dienstverhältnisse als kostengünstigere Variante zur herkömmlichen Beschäftigungstherapie ansehen.

Aus der Praxis berichtete Andrea Seeger des deutschen Integrationsfachdienstes Access. Als zentralen Erfolgsfaktor einer betrieblichen Integration sieht Seeger darin, die potenzielle ArbeitnehmerIn und ihre Anliegen ernst zu nehmen, um dieser eine passgenaue Unterstützung anbieten zu können. Dies ist eine zentrale Aufgabe der Jobcoaches. Um die Beschäftigung nachhaltig zu sichern, ist es wichtig, auch nach dem Zustandekommen eines Dienstverhältnisses als Ansprechpartner für behinderte ArbeitnehmerIn und Arbeitgeber auch weiterhin zur Verfügung zu stehen. Access konnte so 67 Nischenarbeitsplätze erarbeiten und 55 Personen in den 1. Arbeitsmarkt bringen, so Seeger.

Auch die Sozialpartnerinitiative Arbeit&Behinderung konnte unter Beweis stellen, wie gemeinschaftliches Engagement der Arbeitnehmer- und Arbeitgeberverbände aussieht. Mit dem im ORF gelaufenen Spot „Meine Chance-ihr Nutzen“ wurde eine Sensibilisierungsarbeit  in Richtung Arbeitgeber geleistet. Die Fähigkeiten der behinderten ArbeitnehmerInnen wurden in der Kampagne besonders betont. Die TeilnehmerInnen der Tagung stimmten einhellig zu, dass vor allem die defizitorientierte Sichtweise einer inklusiven Arbeitswelt im Weg steht.

„Den Schlüsselanhänger haben wir, was nun fehlt ist der Schlüssel um eine inklusive Gesellschaft zu erreichen“, stellte Lebenshilfepräsident Germain Weber fest und richtete den Appell an die TeilnehmerInnen „gemeinsames Lobbying auf allen Ebenen zu betreiben, um dem gemeinsamen Ziel einer inklusiven Arbeitswelt immer näher zu kommen“.

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