Best Practice Beispiel

Bueroassistentin

Im Krankenhaus Hollabrunn wird Gleichstellung gelebt!

Kurze anonyme Beschreibung des Mitarbeiters/der Mitarbeiterin mit Behinderung

Frau M.H. ist zwischen 25 – 30 Jahre jung und durch Diabetes im 11. Lebensjahr erblindet.

Firmenbeschreibung

Landesklinikum Hollabrunn.

Arbeitsplatzbeschreibung

Telefonvermittlung – vormittags, OP-Berichte schreiben – nachmittags, insgesamt 30 Wochenstunden.

Was waren die entscheidenden Beweggründe einen Menschen mit Behinderung einzustellen?

Der Betroffenen einen Zugang zum Arbeitsmarkt zu verschaffen, damit sie sich im Beruf beweisen kann.

Wie gelang der Rekrutierungsprozess? Vermittlung durch AMS oder Sonstige?

Durch die Schulungseinrichtung SEBUS (Schulungseinrichtung für Blinde und sehbehinderte Menschen), Verein 0 Handicap und Berufliche Assistenz für blinde und sehbehinderte Menschen NÖ.

Welche begünstigenden oder hinderlichen Faktoren gab es beim Arbeitsbeginn?

Durch die Unterstützung der beruflichen Assistenz für blinde und sehbehinderte Menschen konnte mit JobCoaching die Einarbeitungsphase von Frau M.H. intensiv unterstützt werden. Weiters wurden alle erforderlichen Hilfsmittel und Programme organisiert und die Behördenanträge und Finanzierung der Hilfsmittel von der beruflichen Assistenz (technische Assistenz) geleistet. Für den zweiten Arbeitsbereich – Medizinische Schreibkraft – musste das MPA System barrierefrei (für Sprachausgabe und Braillezeile) programmiert werden. Die Braillezeile für diesen Arbeitsplatz wurde in der Probephase vom Hilfsmittelpool der beruflichen Assistenz zur Verfügung gestellt und ist weiterhin noch in Verwendung. Auch die Arbeitswege im Krankenhaus  wurden schon vor Beginn des Dienstverhältnisses mit einer Mobilitätstrainerin trainiert. Das AMS Hollabrunn gewährleistete ein Arbeitstraining von zwei Monaten um die beruflichen Anforderungen in dieser Zeit zu trainieren. In dieser Zeit konnten auch alle technischen Umstellungen und Einstellungen vorgenommen werden, bis der Arbeitsplatz in der Telefonzentrale barrierefrei funktionierte.  

Wenn es Stolpersteine gab, wie wurden diese beseitigt?

Durch Humor, Gespräche, Unterstützung der beruflichen Assistenz und eine tolle Einstellung aller MitarbeiterInnnen im Landeskrankenhaus Hollabrunn waren alle Weichen zu einer erfolgreichen Integration an beiden Arbeitsplätzen gestellt. Besonders die MitarbeiterInnen der IT waren immer offen und bereit, alle technischen Herausforderungen zu lösen.

Waren spezielle Ausbildungsmaßnahmen erforderlich?

Frau M.H. war bereits für den Beruf als Telefonistin ausgebildet. Wie jedoch die Telefonzentrale intern aufgebaut und programmiert war, musste sie erst erlernen. Für die Tätigkeit einer ‚Medizinische Schreibkraft‘ war eine intensive Einschulung nötig. Da diese Tätigkeit ganz spezifisches Wissen über medizinische Fachbegriffe erfordert, konnte sie zwar durch JobCoaching unterstützt werden, doch ohne diese Unterstützung und Einschulung von einer Mitarbeiterin aus dieser Abteilung, wäre diese Tätigkeit nur schwer zu erlernen gewesen. Das LKH Hollabrunn hatte eine Mitarbeiterin speziell für diese Einschulung für Frau M.H. zur Verfügung gestellt! Da Frau M.H. eine sehr hohe Motivation hat und auch große Anforderungen an sich selbst stellt, wurde auch dieser „Versuch“ zu einem Erfolg,  und ein zweiter, sehr anspruchsvoller Arbeitsbereich, für Frau M.H. war geschaffen.

Wurden externe Unterstützungsmaßnahmen in Anspruch genommen und wenn ja, welche?

Förderungen vom Verein 0 Handicap. Unterstützung am Arbeitsplatz durch die berufliche Assistenz für blinde und sehbehinderte Menschen NÖ.Frau M.H. erhielt auch Unterstützung von der Hilfsmittelfirma TSB.

Was hat letztendlich dazu beigetragen, dass Herr/Frau X nach wie vor in Ihrem Unternehmen tätig ist?

Frau M.H. ist eine engagierte Mitarbeiterin.

Was würden Sie als Unternehmer, anderen Unternehmen an Lernerfahrungen/Empfehlungen mitgeben?

Es ist viel Zeit in die Vorbereitung und Einschulung investiert worden, um einen adäquaten Arbeitsplatz zu schaffen. Wichtig ist auch, die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen für die neue Situation zu sensibilisieren.

Anmerkungen von der Beruflichen Assistenz:

Im LKH Hollabrunn wird Integration und Gleichbehandlung gelebt. Herr Dir. Mikl informiert sich über die Möglichkeiten, wenn diese bestehen, werden sie umgesetzt. Zum Beispiel wurden nicht nur die Arbeitsplätze barrierefrei gestaltet. Auch der öffentliche Kaffeeautomat wurde ausgetauscht. Der vorhandene Kaffeeautomat war für Blinde nicht geeignet. Der neue Kaffeeautomat hat jetzt erhobene Drucktasten, somit kann Frau M.H. ihn auch bedienen. Diese soziale Gleichstellung und Unabhängigkeit wird oft in Firmen übersehen, im LKH Hollabrunn werden auch diese Details beachtet!