Best Practice Beispiel

ElektronikerInnen in Ausbildung

Seit 1996 bietet die Siemens AG Österreich Jugendlichen mit Hörbehinderung eine Erstausbildung zum/ zur FacharbeiterIn im Bereich Elektronik. Die Lehre findet vollintegrativ, also gemeinsam mit anderen Elektronik-Lehrlingen statt. DolmetscherInnen begleiten die Ausbildung. Laut Angaben des Leiters der Lehrlingsausbildung werden mittlerweile diese Lehrlinge extra von anderen Firmen angefragt, "weil sie oft besonders engagiert und gut sind."

Arbeitsplatzbeschreibung

In dreieinhalb Lehrjahren werden gehörlose Jugendliche als ElektronikerInnen integrativ ausgebildet. In den ersten zwei Lehrjahren werden theoretische Grundlagen und Fachspezifisches in der Berufsschule und in Lehrwerkstätten vermittelt. In dieser Zeit stehen IntegrationsdolmetscherInnen während des gesamten Unterrichts zur Verfügung.

Im Betrieb kann das erworbene Wissen in den letzten beiden Lehrjahren in die Praxis umgesetzt werden.

Firma

Das Technologieunternehmen Siemens ist ein weltweiter Konzern. Österreich ist dabei ein bedeutender Forschungs- und Entwicklungsstandort für die Siemens Hightech Produkte.

Die Siemens-Gruppe beschäftigt in Österreich über 32.000 MitarbeiterInnen. 700 davon sind Lehrlinge.

Für das Engagement in der Ausbildung von Jugendlichen mit Behinderungen wurde Siemens 2003 mit dem JobOskar und 2006 mit Trigos (für Unternehmen mit Verantwortung) ausgezeichnet.

Planung und Umsetzung

Das Modell einer vollintegrativen Lehrausbildung zum/zur ElektronikerIn für hörbehinderte Jugendliche wurde 1996 initiiert.

Im Gegensatz zu den meisten Schulen und höheren Fortbildungen in denen Gehörlose vielfach getrennt von anderen SchülerInnen unterrichtet werden, ist die Ausbildung bei Siemens vollintegrativ.

Um Verständnisschwierigkeiten zu vermeiden, stehen in den ersten beiden Lehrjahren vier IntegrationsdolmetscherInnen jederzeit zur Verfügung. Ab dem dritten Lehrjahr wird diese unterstützende Begleitung immer mehr zurück genommen. Für technische Spezialausdrücke, die im Repertoire der Gebärdensprache nicht enthalten waren, wurden eigene Gebärden entwickelt, die sich mittlerweile als Standard durchgesetzt haben.

Ein Jahrgang umfasst maximal neun gehörlose TeilnehmerInnen. Seit dem Startschuss im Jahr 1996 konnten zwischen 90-95 Lehrlinge mit Hörbehinderung die Ausbildung zum/zur Elektronik-FacharbeiterIn erfolgreich abschließen.

Unterstützung

Das Projekt wird vom Arbeitsmarktservice gemeinsam mit dem Bundessozialamt (jetzt Sozialministeriumservice), unter Einbeziehung des Europäischen Sozialfonds, finanziert.

Mit dem Ziel die Ausbildungsbedingungen für die TeilnehmerInnen bestmöglich zu gestalten, wurde in Zusammenarbeit mit Vereinen für Menschen mit Hörbehinderung und der Technikassistenz für gehörlose/schwerhörige Menschen die Hörhilfen der TeilnehmerInnen auf ihre Tauglichkeit hin überprüft und optimiert. Auch der Schulungsraum wurde hinsichtlich Sitzanordnung, Grundgeräuschpegel, Geräteausstattung und Beleuchtung den Erfordernissen angepasst.

Entwicklungspotential

Die Zusammenarbeit zwischen den sozialpolitischen AkteurInnen und dem Unternehmen Siemens funktioniert ausgezeichnet, was zu weiteren Ausbildungsinitiativen führte, wie beispielsweise das IBAB Projekt, eine Intensivberufsausbildung für schwerhörige und Arbeit suchende Erwachsene.

Der Leiter der Lehrlingsausbildung ist überzeugt vom Erfolg dieses Modells. „Mittlerweile werden die extra angefragt von den ArbeitgeberInnen, weil sie oft besonders engagiert und gut sind.“

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