Best Practice Beispiel

Hilfsarbeiter an einer Tankstelle

„Manchmal finden diese Menschen eine Lösung, die viel unkonventioneller ist, als andere sich je ausdenken können" – Mitarbeiter an einer Tankstelle ist im Unternehmen und bei den Kunden sehr beliebt.

Kurze anonyme Beschreibung der MitarbeiterIn mit Behinderung:

Unser am längsten zugehöriger Mitarbeiter mit Beeinträchtigung ist seit 8.6.1998 in unserem Betrieb beschäftigt. Auf Grund eines Unfalles hat er eine intellektuelle Beeinträchtigung. Körperlich ist er topfit. Er ist ein sehr umgänglicher, freundlicher, loyaler uns sehr zuvorkommender Mitarbeiter, der auch gerne neue Mitarbeiter einschult und sie von unserem Betrieb überzeugt!


Firmenbeschreibung:

Wir betreiben Tankstellen in Tirol, Vorarlberg, Kärnten, Salzburg und Wien. Außerdem sind wir Energielieferant in den Bereich Heizöl, Pellets, Briketts, Strom und Gas.


Arbeitsplatzbeschreibung:

Der Mitarbeiter ist im Außenbereich einer Tankstelle tätig. Er ist nicht nur für die Betankung der Fahrzeuge zuständig, sondern ist den Kunden auch bei der Befüllung des Scheibenwassers etc. behilflich. Außerdem ist er im Bereich der Waschstraße tätig. Dort sorgt er für eine gründliche Vorreinigung der Autos, den reibungslosen Ablauf beim Befahren der Waschstraße und steht den Kunden beratend zur Seite.

 

Was waren die entscheidenden Beweggründe einen Menschen mit Behinderung einzustellen?

Die Förderung dieser Menschen liegt uns am Herzen. Wir möchten einen Teil dazu beitragen, dass sie an Lebensqualität gewinnen und auch in der Arbeitswelt Fuß fassen können. Menschen mit Beeinträchtigung sind oft hilfreich, den sozialen Umgang zu fördern und die Barrieren zwischen „normal" und „eingeschränkt" zu überwinden. Sie sind sehr förderlich, wenn es um die Veränderungen der Einstellung in den Köpfen geht.


Wie gelang der Rekrutierungsprozess? Vermittlung durch AMS oder Sonstige?

Wir rekrutieren zum Großteil über die arbas (Arbeitsassistenz Tirol) und arbeiten meist mit dortigen BetreuerInnen zusammen. Hierbei wissen wir, dass uns diese auch nach der Einstellung beratend zur Seite stehen und bei Problemen ihre Hilfe anbieten.


Welche begünstigenden oder hinderlichen Faktoren gab es beim Arbeitsbeginn?

Zu Beginn sind der Kundenkontakt und die Skepsis der anderen Mitarbeiter meist die größte Hürde.

 

Wenn es Stolpersteige gab, wie wurden diese beseitigt?

Im Allgemeinen wir versucht, Stolpersteine mit Hilfe der Stationsleiter zu beseitigen – wenn es Probleme in der Akzeptanz oder des Verständnis für den Aufgabenbereich gibt. Anfangs steht vermehrter Kontakt unsererseits, um Barrieren so gut wie möglich zu beseitigen. Wir versuchen dann gemeinsam Arbeitsabläufe festzulegen und einen geregelten Tag zu schaffen. Meist erleichtern wiederholte Tätigkeiten mit einem genauen Plan den Arbeitstag. Wenn Probleme bestehen bleiben, steht uns die arbas hilfreich zur Seite.

 

Waren spezielle Ausbildungsmaßnahmen erforderlich?

Nein, nur grundsätzliche Einführung in das Thema des Arbeitsbereiches, sprich allgemeines Verständnis für Treibstoffe, Gefahren und das technische Handling der Waschstraße.


Wurden externe Unterstützungsmaßnahmen in Anspruch genommen und wenn ja, welche?

Nicht bekannt.


Was hat letztendlich dazu beigetragen, dass Herr/Frau X. nach wie vor in Ihrem Unternehmen tätig ist?


Er ist der engagierteste Mitarbeiter im Unternehmen und seine Beeinträchtigung ist mittlerweile fast kaum auf den ersten Blick zu erkennen. Er ist immer für den Betrieb da, ist so gut wie nie krank, will meistens keinen Urlaub, springt für andere Mitarbeiter ein, wenn es ihm möglich ist und ist stets gut gelaunt. Sein Beitrag, den er für das Unternehmen leistet, ist sehr groß und viele Kunden wissen seine Tätigkeit auch sehr zu schätzen.

 

Was würden Sie als Unternehmer, anderen Unternehmern an Lernerfahrungen/Empfehlungen mitgeben?

Die Skepsis, Ablehnung und die Unnahbarkeit sind, meines Erachtens nach, immer noch zu groß. Denn, wie schon erwähnt, sind Menschen mit Beeinträchtigung auch sehr wichtig für das Sozialverhalten anderer. Vorurteile gegenüber behinderten Menschen werden dadurch abgebaut und man lernt oft durch sie wieder Dinge schätzen, für die man in der heutigen, schnelllebigen Zeit, kein Auge mehr hat. Manchmal finden diese Menschen eine Lösung, die viel unkonventioneller ist, als andere sich je ausdenken können. Die geregelte Arbeit und die damit einhergehende Integration, geben ihnen meist einen Aufschwung und ermöglichen eine Teilhabe an der Gesellschaft. Allein dies sollte genug Grund sein, diesen Menschen eine Chance zu geben.