Best Practice Beispiel

Hilfskraft in der Metzgerei

Frau S. E. (geb. 1961) ist seit 2001 im Metzgereibetrieb Walser als Hilfskraft tätig. Seit ihrer Geburt ist sie gehörlos und hat eine intellektuelle Beeinträchtigung. Die Kommunikation funktioniert durch Mimik und Gestik. Ein beherzter Kollege hat mit Frau E. seine eigene Gebärdensprache entwickelt. Die Geschäftsleitung sieht dies als großen Gewinn für die Firmenkultur: „Das bringt Auflockerung in den Betrieb, die Mitarbeiter haben eine neue Einstellung zur Behinderung.“

Arbeitsplatzbeschreibung

Seit 2001 arbeitet Frau S. E. in vollem Stundenausmaß bei der Metzgerei Walser.

Sie übernimmt diverse Hilfsarbeiten in mehreren Abteilungen in der Wurstproduktion. Vom Schneiden, Wursten, Abfüllen bis hin zum Verpacken führt sie, teilweise unter Anleitung von KollegInnen, ihre Aufgaben aus. Einige Arbeiten, wie das Etikettieren bestimmter Artikel, kann sie selbständig ausführen.

Firma

Der Metzgereibetrieb Walser KG stellt Fleisch- und Wurstwaren her. Neben der Schlachtung, dem Zerlegen, Wursten und Selchen werden auch Fertiggerichte nach modernsten Hygienestandards produziert. Der Verkauf dieser Produkte findet über die eigenen Verkaufsgeschäfte, über das hauseigene Catering, den Hotel- und Gastrobereich sowie über Handelsketten statt. Das Unternehmen betreibt vier Vertriebsfilialen, darunter zwei Nahversorgungsgeschäfte und zwei Fleischerfachgeschäfte.

Planung und Umsetzung

Frau S. E. wurde 1961 mit einer Mehrfachbehinderung geboren. Sie ist gehörlos und hat eine kognitive Beeinträchtigung. Nach einigen Jahren in Betreuung bei der Lebenshilfe Vorarlberg kam sie in eine Privatunterkunft in Meiningen.

Frau E. wohnte seit kurzer Zeit in der Nähe des Metzgereibetriebes, als sie über private Kontakte die Arbeitsstelle vermittelt bekam. Eine Bekannte begleitete Frau E. in der ersten Zeit und war bei der Einschulung anwesend. Nach kurzer Zeit übernahmen KollegInnen die Unterstützungsarbeit.

Bei ihrer Einarbeitungsphase schnupperte Frau E. in verschiedenen Abteilungen und man verständigte sich von Anfang an „mit Händen und Füßen“. Ein Kollege konnte von Anfang an sehr gut mit Frau E. umgehen. Auch heute ist er in Frau E.s Job eine wichtige Bezugsperson, der sie vertraut. Mit ihm werden auch heute noch Arbeitsanweisungen an die Mitarbeiterin abgeklärt und kommuniziert, wobei die beiden ihre eigene Form der Gebärdensprache entwickelt haben.

Unterstützung

Eine Frau, die unweit des Metzgereibetriebes lebt, war zugleich Frau E.s Vertraute. Sie begleitete Frau E. die ersten Tage mit zur Arbeit, erklärte Grundarbeiten und vermittelte zwischen den neuen ArbeitskollegInnen und Frau E. Die weitere Einschulung übernahmen Frau E.s unmittelbare Kolleginnen und Kollegen.

Auch an die Personen von der Arbeitsassistenz richten die Firmenchefs ihr Lob. „Ich habe mit der Vorarlberger Arbeitsassistenz ‚dafür‘ einen guten Partner gefunden. Auch wenn wir die Arbeit mit Frau E. mittlerweile intern regeln. Wenn es Konflikte gibt, können wir uns an die Arbeitsassistenz wenden“ berichtet Herbert Walser.

Vom Sozialministeriumservice (vormals Bundessozialamt) wird ein laufender Lohnkostenzuschuss gewährt.

Entwicklungspotential

Die neue Form des Kommunikationsaustauschs mit der gehörlosen und intellektuell beeinträchtigten Mitarbeiterin sieht Herbert Walser als großen Vorteil für die Firmenkultur: „Menschen mit Behinderungen bringen Auflockerung in den Betrieb. Manche Kollegen vertreten nun sogar am Wirtshausstammtisch eine neue Meinung, und verteidigen dort Menschen mit Behinderung. So eine Firmenkultur mit neuen Blickwinkeln haben für mich enormen Wert, darum steht nicht alleine die Arbeitsleistung im Vordergrund.“

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