Best Practice Beispiel

Hilfskraft im Versand

Frau S. W. (geb. 1972) arbeitet seit 2005 in der Buchdruckerei Lustenau GmbH (BuLu). Da sie eine durch einen Gendefekt verursachte Krankheit hat, die mittlerweile weiter fortgeschritten ist, arbeitet sie seit 2011 in einem neuen Aufgabenbereich. Dort kann sie trotz der Koordinationsschwierigkeiten ihre Arbeit erledigen. Unterstützung erhielt das Unternehmen durch das Kompetenzzentrum „dafür“ und durch das ifs Vorarlberg (Institut für Sozialdienste).

Arbeitsplatzbeschreibung

Frau S. W. arbeitet Teilzeit bei der Buchdruckerei Lustenau. Ihr Tätigkeitsbereich ist der Versand. Sie ist für die Versandwaren zuständig, die in Schachteln gepackt, sortiert und adressiert werden müssen.

Firma

Die Buchdruckerei Lustenau (BuLu) wurde 1913 gegründet. Seither ist sie enorm gewachsen und vor allem im Bereich Umweltfreundlichkeit einen Schritt voraus. Durch die Anwendung von innovativen Technologien ist die Buchdruckerei Vorarlberg die klimafreundlichste Buchdruckerei Österreichs.

Die BuLu ist geographisch gesehen sehr günstig angesiedelt, sie beliefert KundInnen sowohl österreichweit, als auch in Liechtenstein, der Schweiz und Deutschland. Das Unternehmen beschäftigt knapp unter 100 MitarbeiterInnen, davon sind fünf MitarbeiterInnen als „begünstigt“ nach dem BEinstG eingestuft.

Planung und Umsetzung

Frau S. W. hat eine fortschreitende Erkrankung, die auf einen Gendefekt zurück zu führen ist. Mittlerweile ist sie nach dem Behinderteneinstellungsgesetz (BEinstG) als „begünstigt“ eingestuft. Ihre Erkrankung äußert sich vor allem durch Koordinationsschwächen, aber auch durch kognitive Einschränkungen. Frau W. bewarb sich 2005 bei der Buchdruckerei Lustenau, damals als gesunde Mitarbeiterin, und begann ihren Job als Hilfskraft in der Endfertigung. Bei den KollegInnen und Vorgesetzten war sie von Anfang an beliebt.

Das Fortschreiten ihrer Krankheit erforderte eine Anpassung ihrer Tätigkeit im Unternehmen. 2011 wechselte Frau W. von der Produktion in die Versandabteilung. Adaptierungen am Arbeitsplatz waren nicht notwendig. Es wurden für Frau W. weitere Handläufe im Firmengelände angebracht. Durch die Hilfe von KollegInnen kann sie weiterhin im Unternehmen mobil sein.

Unterstützung

Die Firma „dafür“ wurde vom Unternehmen kontaktiert und hat in Bezug auf Frau W.s Krankheit und diesbezügliche Möglichkeiten für das Unternehmen sowie für die Mitarbeiterin beraten. Diese Begleitung dauerte einige Monate.

Die ArbeitsassistentInnen von „dafür“ boten Unterstützung bei der Antragsstellung für Förderungen und stellten Kontakt mit dem „ifs Vorarlberg“ (Institut für Sozialdienste) her. Das „ifs Vorarlberg“ besuchte Frau W. und besichtigte den Arbeitsplatz. Das Unternehmen erhielt nach der Einstufung Auskunft für welche Arbeitsbereiche die Mitarbeiterin geeignet ist. 

Darüber hinaus wird bei der Buchbinderei Lustenau Frau W. während der Arbeitszeit durch ihre ArbeitskollegInnen intern betreut.
Eine finanzielle Unterstützung wird jährlich neu beantragt. Der Lohnkostenzuschuss vom Sozialministeriumservice (vormals Bundessozialamt) beträgt derzeit rund 300 Euro.

Entwicklungspotential

Frau W. erfreut sich äußerster Beliebtheit unter den KollegInnen. Durch die schweren koordinativen und intellektuellen Einschränkungen kann sie ihre Arbeit nur mehr sehr langsam verrichten und muss von Zeit zu Zeit bei ihren Arbeiten unterstützt werden. Die tägliche Arbeit ist für Frau W. enorm wichtig. Das Arbeiten verzögert, wie die ÄrztInnen von Frau W. sagen, das Fortschreiten der Krankheit.

Frau W. hat ein frohes Gemüt, singt oft vor sich hin, und fordert hin und wieder ihre KollegInnen zum Mitsingen auf. „Wir hören aus dieser Abteilung immer wieder ein Singen und Lachen. Das haben wir ihr zu verdanken.“, berichtet die Geschäftsführerin. Die Unternehmensleitung stellt eine positive Veränderung im Arbeitsklima fest, die sich durch gegenseitige Rücksichtnahme bei den KollegInnen bemerkbar macht.

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