Best Practice Beispiel

IT-Fachmann

Ein Aufzug macht einen jungen Rollstuhlfahrer zu einem vollwertigen Mitglied der TCM-Familie

Kurze anonyme Beschreibung der MitarbeiterIn mit Behinderung:

Unser Mitarbeiter ist ein junger Mann, geboren 1994, ist seit der Geburt gehbehindert und sitzt im Rollstuhl, rechtlich gehört er zum Kreis der begünstigten Behinderten. Nach der Pflichtschule besuchte er die vierjährige Fachschule für Informationstechnik in Graz, die auch positiv abgeschlossen wurde.

Das Unternehmen TCM GmbH Tool Consulting & Management ist das Kernstück der internationalen „TCM Group" mit Firmenhauptsitz in Stainz. Darüber hinaus unterhält die TCM Gruppe auch noch Niederlassungen in Deutschland, Luxemburg, Polen, Tschechien, Ungarn, Slowenien, Kroatien und China. TCM ist ein international tätiger Total Solution Provider rund um den Fertigungsprozess. Die Dienstleistungen, die TCM weltweit anbietet, sind vielseitig und reichen von Tool Management (Versorgung mit und Instandhaltung von Zerspanungswerkzeugen) über Messmittel-, Prozess- und Fluid Management, sowie Werkzeug- und Maschinenbau, Werkzeugausgabesysteme und Werkzeug-verwaltungssoftware bis hin zu Schulungen im Zerspanungsbereich.
Unser Mitarbeiter ist für den first und second Level Support in der zentral geführten IT Abteilung bei TCM zuständig. Neben Installation und Wartung der IT Systeme und der Arbeitssoftware, Planung, Testen und Mitarbeit bei der Einführung neuer Technologien, Problemanalyse und Festlegung von Abstellmaßnahmen, Wartung der EDV Hardware & Netzwerke hat er vorallem Koordinationsaufgaben im Bereich Unterstützung der internen/externen EDV Verantwortlichen in den Tool Managements.

Was waren die entscheidenden Beweggründe einen Menschen mit Behinderung einzustellen?

Wir kennen ihn seit vielen Jahren persönlich, er ist in unmittelbarer Umgebung des Unternehmens wohnhaft, hat zweimal im Zuge seiner Ausbildung zum IT Fachmann bei TCM ein mehrwöchiges Praktikum absolviert und bei allen einen persönlich und fachlich guten Eindruck hinterlassen.

Wie gelang der Rekrutierungsprozess? Vermittlung durch AMS oder Sonstige?

Persönliche Bekanntschaft, der Großvater ist an den Eigentümer und CEO, Herrn Manfred Kainz, persönlich herangetreten.

Welche begünstigenden oder hinderlichen Faktoren gab es beim Arbeitsbeginn?

Ein hinderlicher Faktor war, dass im TCM Hauptgebäude keine Liftanlage existierte, so dass es unserem Mitarbeiter physisch nicht möglich war den I. und II. Stock mit den entsprechenden PC Arbeitsplätzen bzw. die Sozialräumlichkeiten im Keller zu erreichen.

Wenn es Stolpersteine gab, wie wurden diese beseitigt?

Ein Lift wurde nachträglich eingebaut, der natürlich den einschlägigen Bestimmungen entsprechen musste (ÖNORM B 1600), was erhebliche Kosten verursachte, wobei dankenswerter Weise seitens des Bundesministeriums für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz und der Pensionsversicherungsanstalt namhafte Förderbeiträge gewährt wurden.

Waren spezielle Ausbildungsmaßnahmen erforderlich?

Der Mitarbeiter verfügt über eine solide IT Grundausbildung und lernt jetzt täglich in der Praxis. Spezielle, fachliche Schulungen sind laufend für alle IT Mitarbeiter notwendig, das hat also nichts mit den speziellen Bedürfnissen eines Rollstuhlfahrers zu tun.

Was hat letztendlich dazu beigetragen, dass Herr/Frau X nach wie vor in Ihrem Unternehmen tätig ist?

Seine Ausbildung, Engagement und seine Persönlichkeit. Die finanzielle Unterstützung beim Einbau der Liftanlage war nützlich, da es unserem Mitarbeiter, auf Grund der neu geschaffenen Möglichkeit jetzt alle PC Arbeitsplätze (und auch die Sozialräumlichkeiten) zu erreichen, in die Lage versetzt, sich auch physisch als vollwertiges Mitglied der TCM Familie zu fühlen und zu sein.

Was würden Sie als Unternehmer, anderen Unternehmen an Lernerfahrungen/Empfehlungen mitgeben?

Bei allen Anlaufschwierigkeiten überwiegt bei uns die positive Energie, die auf das gesamte Unternehmen und alle MitarbeiterInnen ausstrahlt. Alle werden etwas bescheidener und freuen sich über kleine Schritte, die sonst als selbstverständlich gesehen werden oder im Berufsalltag einfach untergehen.