Best Practice Beispiel

Kommissionierer

Gehörloser Mitarbeiter bereichert das Team von AGM. Ein geeigneter Wecker ist hoffentlich bald gefunden.

Kurze anonyme Beschreibung der MitarbeiterIn mit Behinderung:

Der Mitarbeiter ist ein junger Mann, Ende 20, mit einem Lehrabschluss als Tischler, handwerklichem und mathematischem Verständnis und einer Zusatzqualifikation in Lagerlogistik. Er selbst ist von Geburt an gehörlos, trägt ab und zu Hörhilfen, seine Muttersprache ist die Österreichische Gebärdensprache. Beim Vorstellungsgespräch hat er sich selbstbewusst und motiviert gezeigt, die Stelle als Kommissionierer gewissenhaft zu erfüllen. Er arbeitet gerne alleine, aber eingebunden in ein Team. Er schätzt es, nach einer gewissen Struktur und einem effizienten Ablauf seine Arbeit zu erledigen.

Firmenbeschreibung:

In seiner 50-jährigen Erfolgsgeschichte ist AGM zu einem der wichtigsten Großhändler Österreichs herangewachsen. Darüber hinaus vereint AGM als wichtiger, regionaler großer Arbeitgeber die Vorteile eines österreichischen Traditionsunternehmens mit der Sicherheit und den Entwicklungsmöglichkeiten eines internationalen Konzerns. Heute steht AGM für höchste Frische im gesamten Food-Sortiment, beste Qualität im Bereich Non-Food sowie perfekt auf die Bedürfnisse seiner Kunden abgestimmte Dienstleistungen. Das Angebot umfasst mehr als 25.000 Produkte - vom Trockensortiment über Obst und Gemüse bis hin zu Non Food Produkten finden sowohl Abholkunden als auch Zustellkunden bei AGM alles für den täglichen Bedarf.

Arbeitsplatzbeschreibung:

Als Kommissionierer ist man für eine sichere und vollständige Kommissionierung der Waren für die Zustellkunden auf den Transportmitteln verantwortlich. Dabei ist eine Gewährleistung des Frischeeindrucks, als auch die fehlerfreie Kommissionierung sicherzustellen. Die Umsetzung der AGM-Standards und der Sicherheitsregeln sowie ein verantwortungsbewusster Umgang mit den Ressourcen sind zu beachten. Der Arbeitsplatz verlangt die Führerscheingruppe C, den Staplerschein und Berufserfahrung als Kommissionierer ebenso wie ein gewisses Verständnis von Frische, Hygiene und Wirtschaftlichkeit.

Was waren die entscheidenden Beweggründe einen Menschen mit Behinderung einzustellen?

Der erste Grund war, dass wir MitarbeiterInnen gesucht hatten und die Gehörlosigkeit kein Grund war jemanden nicht einzustellen. Wir von AGM versuchen auch durch aktives Engagement in der Gesellschaft zu Veränderungen beizutragen. Natürlich war es uns vor allem wichtig, dass die Kompetenzen des Bewerbers auf die ausgeschriebene Stelle passten.

Wie gelang der Rekrutierungsprozess? Vermittlung durch AMS oder Sonstige?

Wir hatten die freie Stelle als KommissionererIn beim AMS ausgeschrieben. Wir waren offen für alle Bewerbungen. Die Arbeitsassistentin, Frau Mag.a Fieber-Grandits von WITAF Arbeitsassistenz meldete sich telefonisch bei unserem Standortleiter. Der Bewerber ließ uns eine Bewerbung zukommen und wir arrangierten mit ihm und der Arbeitsassistentin ein Vorstellungsgespräch.

Die Assistentin fungierte in diesem Erstgespräch als Übersetzerin um uns die Kommunikation am Anfang zu erleichtern. Wir erfragten die Kompetenzen des Bewerbers und einigten uns auf ein Arbeitspraktikum, bei dem wir die Passgenauigkeit des Bewerbers auf unsere Arbeitsabläufe überprüfen konnten. Wir waren schnell überzeugt, dass die Gehörlosigkeit kein Grund ist um von einer Anstellung abzusehen.

Wir vereinbarten noch mit der Arbeitsassistenz, dass der Bewerber die Arbeitsabläufe in Gebärdensprache übersetzt bekommen sollte. Dann wurde er angestellt. Von der REWE-Zentrale erhielten wir Informationen zur Kommunikation mit gehörlosen MitarbeiterInnen, da die Offenheit für Diversität im Unternehmen einen wichtigen Stellenwert hat.

Welche begünstigenden oder hinderlichen Faktoren gab es beim Arbeitsbeginn?

Die Kommunikation wurde im Team anfangs als Herausforderung erlebt. Es wurden neue Methoden der Kommunikation (Aufschreiben, deutliches Sprechen und Lippenlesen) eingesetzt, was für unsere MitarbeiterInnen neu war und eine Zeit der Umstellung benötigt hatte.

Wenn es Stolpersteine gab, wie wurden diese beseitigt?

Eine Herausforderung bei unserem gehörlosen Mitarbeiter ist die Pünktlichkeit in der Früh. Der Mitarbeiter lebt allein und selbstverständlich sind klassische, akustische Wecker für ihn nicht möglich. Spezielle Lichtwecker oder Vibrationswecker werden für Gehörlose angeboten. Allerdings hat unser Mitarbeiter seine beste und sicherste Wecker-Version noch nicht gefunden. Die Arbeitsassistentin schlug vor, die Technische Assistenz von WITAF zu aktivieren. Jetzt wird, zusammen mit der Technischen Assistenz, nach einem guten System gesucht, das unserem Mitarbeiter ermöglicht, in der Früh pünktlich zur Arbeit zu erscheinen. Dies ist für den Ablauf der Aufgaben und die Stimmung im Team wichtig.

Waren spezielle Ausbildungsmaßnahmen erforderlich?

Nein.

Wurden externe Unterstützungsmaßnahmen in Anspruch genommen und wenn ja, welche?

Wie oben bereits erwähnt sind wir mit der Arbeitsassistenz von WITAF und der Technischen Assistenz von WITAF in Kontakt.

Was hat letztendlich dazu beigetragen, dass Herr/Frau X nach wie vor in Ihrem Unternehmen tätig ist?

Der persönliche Fleiß und der Einsatz von unserem gehörlosen Mitarbeiter sind für uns wesentlich und werden als Bereicherung erlebt. Ebenso war uns eine gewisse Überstundenbereitschaft wichtig, die der Mitarbeiter wirklich engagiert zeigt. In diesem konkreten Fall braucht es auch ein Team, das über den sprichwörtlichen Tellerrand hinausblickt und an die Bereicherung durch Vielfalt glaubt.

Was würden Sie als Unternehmer, anderen Unternehmen an Lernerfahrungen/Empfehlungen mitgeben?

Vorinformationen an das Team zu übermitteln ist äußerst sinnvoll. In unserem Falle diente uns ein Schreiben der REWE-Zentrale, in dem uns Tipps zum gleich würdigen Umgang mit gehörlosen MitarbeiterInnen den Anfang erleichterten. Auch war die Arbeitsassistentin mit hilfreichen Informationen und Ideen zur gelungenen Kommunikation und Integration unseres gehörlosen Teammitgliedes zur Stelle.
Wichtig auch: Geduld haben – die lohnt sich! Kompetenzen kommen als Ergebnis von Geduld zurück!