Best Practice Beispiel

Mitarbeiterin in Elektro- und Elektronikindustrie

"Lasse nicht zu, dass das, was du nicht kannst, das beeinträchtigt, was du kannst."

Kurze anonyme Beschreibung der MitarbeiterIn mit Behinderung:

Frau A.G. - seit Geburt gehörlos

Firmenbeschreibung:

Die Graf-Firmengruppe steht seit fast 40 Jahren für ganzheitliche Dienstleistungen in der Elektro- und Elektronikindustrie.
Die Kernkompetenzen der Firmengruppe umfassen klassische Dienstleistungen aus den Bereichen der Elektroinstallationen über Maschinenbau, Elektroanlagen- und Steuerungsbau bis hin zu Hochtechnologie im Bereich der Entwicklung und Fertigung von Elektronikbaugruppen.
Wir bieten unseren Kunden ein Fullservice Angebot von der Entwicklung bis zur Fertigung von geprüften Elektronikbauteilen und Geräten. Mit unseren 140 Mitarbeitern zählen wir zu den führenden Elektronikdienstleistern und sind verlässlicher Partner für zahlreiche Industrieunternehmen in Österreich.

Arbeitsplatzbeschreibung:

Fr. A.G. ist in der händischen Bestückung von Elektronikbaugruppen beschäftigt. Ihre Aufgabe umfasst das Zusammenbauen der Teile, Handlöten, manuelle Bestückung , Komplettierung und div. elektronische Prüfarbeiten.

Was waren die entscheidenden Beweggründe einen Menschen mit Behinderung einzustellen?

Uns ist es ein großes Anliegen, die Gesellschaft in Ihrer Vielfalt in unserem Unternehmen abzubilden. Menschen mit Behinderung gehören dazu. Das ist ein fortdauernder Prozess der persönlichen Weiterentwicklung, der Wertschätzung und Achtsamkeit gegenüber anderen Menschen in unserem Team. Das Gefühl für eine gesundheitliche Einschränkung, für eine Behinderung zu bekommen ist eine Bereicherung für alle im Unternehmen.

Wie gelang der Rekrutierungsprozess? Vermittlung durch AMS oder Sonstige?

Über das Unternehmensservice der Fa. DAFÜR für in Hohenems haben wir die Stelle ausschreiben lassen und dann auch die ideale Mitarbeiterin gefunden.

Welche begünstigenden oder hinderlichen Faktoren gab es beim Arbeitsbeginn?

Frau A.G. hat das gleiche Bewerbungsprozedere wie alle unsere Bewerber durchlaufen. Sie wurde zu einer ersten Testung eingeladen bei der wir feststellen konnten, dass sie die geforderte feinmotorische Arbeit machen kann, da war für das bessere Verständnis eine Gebärdendolmetscherin dabei. Der nächste Schritt war das Bewerbungsgespräch. Dabei wurden wir aktiv durch die Arbeitsassistenz/Unternehmensservice von DAFÜR und einer Gebärdendolmetscherin unterstützt. Das war überaus wichtig, da vom ersten Kennenlernen auch die Entscheidung eines gemeinsamen Weges abhängig ist. Bei diesem Gespräch ist uns immer wichtig zu sehen ob der/die neue Mitarbeiter/in nicht nur fachlich sondern vor allem menschlich ins Team passt. Wichtig war die Aufklärung durch DAFÜR und der anwesenden Gebärdendolmetscherin über die Chancen, Möglichkeiten und Herausforderungen dieses Arbeitsplatzes. Wir hatten ein gutes und sicheres Gefühl, dass es langfristig funktionieren könnte.

Gab es Stolpersteine und wenn ja, wie wurden diese beseitigt?

Vom ersten Tag der Einschulung an, hatten wir einen Jobcoach von DAFÜR bei uns im Betrieb. Wichtig war am allerersten Tag die Gebärdendolmetscherin für die ersten Schritte der Einschulung, für Erklärungen und für Fragen und Gegenfragen. Der Jobcoach kam dann nach Absprache mit uns und unserer neuen Mitarbeiterin gewisse Stunden bzw. Tage in den Betrieb, bis Frau A.G. dann selbstständig arbeiten konnte.

Waren spezielle Ausbildungsmaßnahmen erforderlich?

Ja durchaus . Frau A.G. musste die Handgriffe und das Löten erst erlernen , da sie davor noch nie in diesem Bereich gearbeitet hat.

Wurden externe Unterstützungsmaßnahmen in Anspruch genommen und wenn ja, welche?

Wie bereits erwähnt die Gebärdendolmetscherin und die Dienstleistungen von DAFÜR , hier im speziellen das Unternehmensservice und der Jobcoach.

Was hat letztendlich dazu beigetragen, dass Herr/Frau X nach wie vor in Ihrem Unternehmen tätig ist?

Die professionelle Unterstützung von dafür und die große Bereitschaft unseres gesamten internen Teams, sich der Beeinträchtigung der neuen Kollegin zu stellen, sich damit zu beschäftigen und achtsam sowie positiv damit umzugehen.

Was würden Sie als Unternehmer, anderen Unternehmen an Lernerfahrungen/Empfehlungen mitgeben?

Jeden Einzelnen von uns kann eine Behinderung treffen. Wenn das einem bewusst ist, dann kann jeder Einzelne auch bewusster mit Menschen mit Behinderung umgehen. In diesem Sinne ist es uns ein großes Anliegen, Menschen in dem zu fördern, was sie können und nicht auf das zu reduzieren, was sie nicht können. John Wooden sagte "Lasse nicht zu, dass das, was du nicht kannst, das beeinträchtigt, was du kannst." . Das ist für uns ein wichtiger Leitsatz, der für alle Mitarbeiter gilt.