Best Practice Beispiel

Multimediafachberater

„Ich bin mit Gorenje aufgewachsen!" – Blinder Mitarbeiter ist im MEDIA-MARKT erfolgreich angekommen.

 

Herr K. ist 20 Jahre alt und von Geburt an blind. Er hat die Schule für Sehbehinderte in Wien besucht, nach dem Hauptschulabschluss einen Telefonisten-Lehrgang absolviert und seit vielen Jahren ein interessantes Hobby - er beschäftigt sich nämlich intensiv mit Waschmaschinen und allem was damit verbunden ist. Sein Wissen darüber hat er sich über Recherchen im Internet angeeignet. Geht es um die akustische Erkennung der jeweiligen Marke, hätte er längst bei „Wetten dass" auftreten können. Aber viel wichtiger ist die Tatsache, dass er sein Hobby zum Beruf gemacht hat und seit Februar 2015 bei Media Markt Wien Mitte als Multimedia-Fachberater angestellt ist.

Firmenbeschreibung

Media Markt Wien Mitte ist ein Unternehmen der Media-Saturn Gruppe in Österreich. Als einer der insgesamt 35 Standorte der Nummer 1 in Österreich beschäftigt Media Markt Wien Mitte derzeit über 100 MitarbeiterInnen. Herr K. sowie ein weiterer Mitarbeiter zählen zum Kreis der begünstigten Personen.

Arbeitsplatzbeschreibung

Herr K. ist in der Abteilung Großgeräte/Weißwarenabteilung angestellt, wo er die Kunden beim Kauf von Waschmaschinen, Geschirrspülern oder Wäschetrocknern fachkundig, bedarfsgenau und mit größter Sorgfalt berät. Seine offene, kommunikative Grundhaltung ist dabei ein großes Plus.

Das Sozialministeriumsservice hat Herrn K. die notwendige Arbeitsplatzausstattung gefördert (Braillezeile, Screen Reader „Jaws" und zusätzlich die Software „Tekla-CMS"). Ferner ist Herr K. mit einem portablen Lesegerät inkl. Braillezeile ausgestattet. Damit kann er jederzeit wichtige Verkaufsinformationen abrufen, egal wo er sich gerade im Markt aufhält. So kann er selbstständig und unabhängig agieren. Erst in der Verkaufsabschlussphase übergibt Herr K. die Kundenbetreuung an einen Kollegen/einer Kollegin zum Ausfüllen, Ausdrucken und Ausstellen des Lieferscheins und der Rechnung.

Was waren die entscheidenden Beweggründe einen Menschen mit Behinderung einzustellen?

Herr K. hat sein Vorstellungsgespräch damit begonnen, dass er „mit Gorenje aufgewachsen sei". Diese sehr persönliche Aussage kam gut an und war gleichzeitig bestechend für die Stelle, um die er sich beworben hatte. Nachdem er zeigen konnte, dass er den jeweiligen Hersteller eines Produktes ertasten kann, sollte er seine Chance bekommen.

Wie gelang der Rekrutierungsprozess? Vermittlung durch AMS oder Sonstige?

Durch die berufliche Assistenz für blinde und sehbehinderte Menschen.

Welche begünstigenden oder hinderlichen Faktoren gab es beim Arbeitsbeginn?

In der ersten Phase wurde ein einmonatiges Praktikum als Volontariat über die berufliche Assistenz vereinbart, um die Kenntnisse und das Engagement von Herrn K. im Detail zu überprüfen.
In der zweiten Phase wurde über das AMS ein sechsmonatiges Arbeitstraining arrangiert, um den Markt, die Abteilung und die Ware im Detail zu „ertasten" und die KollegInnen im Markt kennenzulernen.
Beide Phasen wurden zu Beginn täglich, in der Folge jedoch immer seltener durch einen Jobcoach für blinde und sehbehinderte Menschen begleitet.

Wenn es Stolpersteine gab, wie wurden diese beseitigt?

Da Herr K. blind ist, mussten wir gemeinsam unterschiedliche Herausforderungen in Angriff in nehmen: das begann beim Mitarbeitereingang über die Zeiterfassung bis hin zur Lieferschein- und Rechnungsausstellung. Für uns wurde in der Eingewöhnungsphase deutlich, dass es ohne Unterstützung aller nicht gehen wird.

Waren spezielle Ausbildungsmaßnahmen erforderlich?

Wie jeder Mitarbeiter von uns, besucht auch Herr. K. firmenspezifische sowie externe Schulungen, um stets über Neuerungen am Markt und der jeweiligen Hersteller am aktuellsten Stand zu sein und somit Kunden eine optimale Beratungs- und Service-Leistung zu gewährleisten.

Wurden externe Unterstützungsmaßnahmen in Anspruch genommen und wenn ja, welche?

Begleitung durch einen Jobcoach der beruflichen Assistenz für blinde und sehbehinderte Menschen in der Anfangsphase. Zusätzlich wurde im Markt eine umfassende Sensibilisierung der MitarbeiterInnen durchgeführt.

Was hat letztendlich dazu beigetragen, dass Herr K. nach wie vor in Ihrem Unternehmen tätig ist?

Neben seinem Fachwissen und seiner hohen Beratungskompetenz wird vor allem seine herzliche Art geschätzt. Er hat sich vollwertig in unser Team integriert.

Was würden Sie als Unternehmer, anderen Unternehmen an Lernerfahrungen/Empfehlungen mitgeben?

Es ist sehr wichtig, alle MitarbeiterInnen zu sensibilisieren und regelmäßig mit jenen zu kommunizieren, die unmittelbar mit Menschen mit Behinderung zusammenarbeiten. Es gilt, mögliche Bedenken oder Ängste von jedem Einzelnen anzuhören und nach kreativen Ideen zu suchen, um den gemeinsamen Arbeitsalltag optimal zu gestalten. Bei Bedarf sollte die Geschäftsführung immer ein offenes Ohr haben und betroffene MitarbeiterInnen unterstützen.