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Mein ganz persönlicher "Flug zum Mond"

"IST DAS ANONYM?" Das war die Frage, die in meinem Hirn wie eine billige Leuchtreklame blinkte. Auslöser war, dass Herrn Grasser - mein Coach beim ibi - mich höflich einlud, einen Artikel über meine Erfahrungen zu verfassen. Der erste Gedanke, fast wie ein Reflex, war "Klar, das mache ich ..." und dann sofort die blinkend-hämmemde Leuchtreklame "Ist das anonym?!?" Die leuchtenden Buchstaben blinkten unbarmherzig über Wellen aus Scham.

Von einer psychischen Erkankung betroffen zu sein, dies auch offen im Arbeitsumfeld kommunizieren zu können UND trotzdem eine gleichberechtigte Stellung in einem Unternehmen - auch in Bezug auf zukünftige Entwicklungen - zu haben, scheint mir in meiner Arbeitsrealität kaum möglich. In meiner Vorstellung wäre mein "Coming Out" im Arbeitsumfeld (in meinem Fall sind eine Posttraumatische Belastungsstörung und eine generalisierte Angststörung diagnostiziert) auch das Ende meiner Position im Unternehmen. LEIDER ... Nach meiner Einschätzung würde nur mehr meine Erkrankung im Fokus stehen und viele meiner Aktivitäten ausschließlich im Zusammenhang mit dem erkrankten Teil meines Selbst gesehen werden! Das ist im Wesentlichen der Grund für die eingangs beschriebenen blinkenden Buchstaben.

Und wie kam ich zum ibi? Nach einer wahrlich krisenreichen Zeit, in der ich meinen Job aufgeben musste und ich Zeit brauchte um zu gesunden, bekam ich einen Tipp von einer Sozialarbeiterin; "Wenn es Ihnen besser geht, und Sie wieder einen Job suchen, nehmen Sie Kontakt mit dem ibi auf". Zu dieser Zeit hätte mir die Sozialarbeiterin auch sagen können: "Wenn Sie sich dann auf den Flug zum Mond vorbereiten ..." – für genauso wahrscheinlich hielt ich es damals, der Jobsuche, den Auswahlgesprächen, aber auch der regelmäßigen Arbeit selbst gewachsen zu sein.

Nun, ich erholte mich und gleich beim ersten telefonischen Kontakt mit dem ibi hatte ich ein gutes Gefühl. Warum? Die Klarheit meines Gesprächspartners und die Vermittlung des Gefühls, dass es für mich als MENSCH tatsächlich verschiedene Möglichkeiten in Hinblick auf meine zukünftigen Tätigkeitsbereiche gibt. Dank der darauffolgenden Gespräche und vor allem wegen des respektvollen Umgangs mit mir und meiner Erkrankung setzte ich einen Schritt nach dem anderen. Es wurde mein ganz persönlicher "Flug zum Mond". Da das Angebot des ibi für mich unentgeltlich war, musste ich mir finanziell keine weiteren Sorgen machen.

Mittlerweile stehe ich wieder im Berufsleben - mein Coming Out kann ich mir nicht vorstellen ... Das ganz persönliche TROTZDEM lasse ich mir allerdings auch nicht nehmen!

VIELEN DANK, dass es die Einrichtung ibi gibt! Danke, dass sich das ibi mit seinem professionellen Team des Tabuthemas „psychische Erkrankung" im Zusammenhang mit Arbeitssuche und der Integration in den Arbeitsprozess annimmt!

Ein Erfahrungsbericht einer Klientin der Arbeitsassistenz.

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Veröffentlicht am 19.07.2017