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Es ist eine Freude, mit dir zu arbeiten!

Ich war rund zweieinhalb Jahre arbeitslos. In dieser Zeit habe ich rd. 200 Bewerbungen geschrieben und bin ca. 30 Mal zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen worden. Doch es hat einfach nie geklappt. Gerade die Absagen nach einem Bewerbungsgespräch waren für mich schwer zu verkraften. Frustrierend ist es auch, dass es bei den Unternehmen üblich ist, auf eine Bewerbung gar keine Antwort zu geben – nicht einmal eine Absage… Ein großer Halt in der Situation der Arbeitslosigkeit sind mir meine Mutter und zwei Freunde. Sie fieberten bei jeder Bewerbung mit mir mit, machten mir Mut, richteten mich wieder auf… Ich wüsste nicht, was ich ohne sie täte.

Da ich psychisch krank bin, wurde ich von einer Arbeitsassistentin kostenlos betreut. Sie begleitete mich professionell. Wir trafen uns so ca. alle zwei Wochen und besprachen meine Bewerbungen. Ohne meine Arbeitsassistentin wäre ich schon längst verzweifelt. Es waren auch andere Dinge, die mir zu schaffen machten – am meisten die fehlende Tagesstruktur. Hilfreich war mir dabei ein Wochenkalender, den mir ein Freund empfohlen hat. Beim Planen versuchte ich auch soziale Kontakte und Erholsames einzuplanen und andere Dinge, die mir Freude machen. Ich habe dabei erfahren, dass es besser ist, einen Plan zu machen und diesen nicht immer einzuhalten, als gar keinen Plan zu machen.

Trotz all dieser Hilfestellungen reagierte ich immer wieder depressiv auf meine Situation der Arbeitslosigkeit. Einmal schien es, als ob ich aus diesem Zustand gar nicht mehr herauskommen könnte. Meine Psychiaterin meinte: „Das depressive System speist sich selbst.“ Doch auch hier kam Rettung. Ich konnte eine 6-wöchige psychiatrische Rehabilitation absolvieren, die mir sehr gut tat und mich aus der Depression herausgerissen hat.

Auf Anraten von ibi habe ich mir heuer einen Praktikumsplatz („AMS Arbeitstraining“) gesucht. Da ich via AMS einen Marketing-Kurs absolviert hatte, suchte ich eine Werbefirma und fand einen Platz bei einem ehemaligen Arbeitgeber von mir. Das Jonglieren mit den Bildern und Texten  macht mir Spaß, das ist eine wichtige Erkenntnis, da ich vorher nicht sicher war, ob Marketing  überhaupt etwas für mich ist. Mein Wohlbefinden hat sich durchs Praktikum schlagartig verbessert. Ich habe nun eine Tagesstruktur und immer wieder Aufgaben zu erledigen, bekomme Anerkennung für gut erledigte Projekte und habe ausgewogene soziale Kontakte. Mein Leben ist wieder im Lot.

… dann: das „Jobwunder“

Noch während des Praktikums habe ich ein Jobangebot erhalten. Durch mein nunmehr wiedergewonnenes Selbstvertrauen, bin ich im Bewerbungsverfahren selbstsicherer aufgetreten als vorher und konnte nun auch fortgeschrittene Grafik Kenntnisse  vorweisen, was sicherlich zur Erlangung der Stelle beigetragen hat. Dass ich gerade diese Stelle bekommen habe, kommt mir wie ein kleines Wunder vor – das Jobwunder. Die Stelle ist nämlich genau das, was ich mir vorgestellt habe. Die Art und Weise, wie die Arbeit erledigt werden muss, kommt den besonderen Erfordernissen meiner Krankheit sehr entgegen, was mich zuversichtlich stimmt, dass ich weiterhin stabil bleiben kann.

Vor einigen Tagen sagte der Kollege,  der  mich einschult, zu mir: „Es ist eine Freude, mit dir zu arbeiten, alles fällt auf fruchtbaren Boden.“

Ein Erfahrungsbericht einer Klientinnen der Arbeitsassistenz.

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Veröffentlicht am 19.07.2017